Gesundes Misstrauen
From NJH-Wiki
- Autor
- Volker Grabsch
Dass man ein natürliches Misstrauen haben sollte und
Medienkompetenz
entwickeln muss,
ist noch nicht überall angekommen.
Gerade für einen Internet-Anfänger ist dies sehr ungewohnt,
da man im Alltag diese Probleme zwar auch hat,
aber nicht in dem Maße,
wie es sie im Internet gibt.
Nicht nur, dass man auf seinem Rechner keine x-beliebige Software laufen lassen sollte. Es gibt auch viele andere Dinge, über die ein normaler Benutzer stolpern kann.
Contents |
E-Mails
Viele E-Mails enthalten Programme im Anhang, die man nicht starten sollte. Oder sie verweisen angeblich zu einer Webseite der eigenen Bank, wo man seine PIN eingeben soll.
Es sollte zum Grundwissen eines heutigen Computer-Benutzers gehören, dass E-Mails von sonstwoher kommen können, und dass Absender ohne weiteres gefälscht werden können.
Deshalb sollte man auch niemals auf Spam antworten, weil man damit i.d.R. nicht den Spammer trifft, sondern irgendein anderes Opfer. Selbst wenn die Antwort direkt an den Spammer geht, stört es ihn wenig. Im Gegenteil, er freut sich, weil er ein Lebenszeichen bekommen hat, d.h. die Mailadresse ist noch gültig und es lohnt sich, in Zukunft noch mehr Spam dorthin zu senden.
Eine E-Mail, die angeblich von der Bank kommmt, ist daher ebenfalls nicht vertrauenswürdig. Schon gar nicht, wenn sie mehr tut, als einen bloß zu informieren. Wenn sie einen zu irgendwas auffordert, sollten schon die Alarmglocken klingeln. Sowas macht keine Bank. In der Regel warnen die Banken sogar davor. Gerade sie machen deshalb alles über Briefverkehr, und versenden i.d.R. keine einzige E-Mail an ihre Kunden.
Ohne Verschlüsselung ist das Medium E-Mail einfach nicht vertrauenswürdig.
Telefon
Früher hat man sowas auch gern über Telefon gemacht. Ein angeblicher Mitarbeiter der Mobilfunk-Gesellschaft oder Bank ruft an. Er braucht aus technischen Gründen meine aktuelle PIN. So ein Quatsch. Ein Techniker braucht gar kein Passwort oder PIN von irgendwem. Hat er keine Kontrolle über die Technik, wird wer wohl nicht der sein, für den er sich ausgibt. Gesunder Menschenverstand eben.
Internetseiten
Genauso kann auch jeder auf seiner Webseite beliebige Dinge behaupten. Man sollte also auch hier vorsichtig sein, und nicht alles glauben, was auf Webseiten steht. Am sympathischsten sind noch die Webseiten, bei denen sich der Autor mit seinem richtigen Namen vorstellt. So wird klar, wessen Meinung hier dargestellt wird, und man kann sich leichter ein Bild davon machen. Außerdem ist das Netz voller Halbwissen. Eine Anleitung, die das eigene System "sicherer" machen soll, kann, gewollt oder ungewollt, auch zum genauen Gegenteil führen.
Daher sollte man auf jeden Fall in solchen Sachen mit Leuten reden, die sich damit auskennen und intensiv beschäftigen. Ich habe schon so viele Fehler und Ungereimtheiten in irgendwelchen Howtos gefunden. Handelt es sich um Wikis oder Blogs, habe ich wenigstens noch eine Motivation, Korrekturen beizusteuern, wenn es meine Zeit zulässt. Doch es ist einfach zu viel. Es wäre eine Lebensaufgabe, wenn man sich als Lektor für das Web betätigen wollte.
Darüberhinaus gibt es auch bewusste Irreführungen und Falschinformationen. "Echte" kommerzielle Werbung und politische Propaganda sind leicht an ihrer Einseitigkeit zu erkennen. Aber auch subtilere Ansätze sind gut zu beobachten. Von zweifelhaften Interessen gefärbte Artikel und Texte finden sich im Netz zuhauf. Da hilft es nur, sich möglichst verschiedene Quellen zu einem Thema zu suchen, und ihre Glaubwürdigkeit für sich persönlich zu bewerten; Medienkompetenz eben.
Zusammenfassung
Man sollte sich gute Dinge empfehlen lassen. Am besten von Menschen, die sich auskennen und denen man vertraut.
Das Internet ist voll von Schrott und Parasiten. Der ständige Zustrom naiver Neulinge ernährt die Parasiten. Schrott wächst schneller als verlässliche Informationen, weil er leichter zu produzierien ist. Das gilt vorallem für Halbwissen.
Umso erstaunlicher ist es, dass das Internet bis heute relativ gut arbeitet. Die Selbstorganisation funktioniert meistens. Es gibt nach wie vor Informationen von hoher und steigender Qualität. Man muss sie nur finden.

