Gläserner Mensch

From NJH-Wiki

Jump to: navigation, search
Autor 
Frank Prößdorf


"Der nächste Schritt werden Identifikationsstellen in Kaufhäusern oder am Eingang von Geschäftszentren sein. Betritt ein bekannter Dieb den Laden identifiziert ihn das System und schlägt Alarm. Und warum sollte man bei Dieben aufhören? Warum sollte man Obdachlose in einer Geschäftsstraße dulden? Oder Fixer in der Innenstadt?"

- Simon Davies: Institut für Computersicherheit an der School of economics (London) und Direktor von Privacy International


Contents

Definition

Nein, in dieser kleinen Einführung geht es nicht um die Problematik des Verstehens der DNA, und des dadurch entstehenden gläsernen Menschens. Es geht viel mehr um den Gläsernen Menschen als eine Metapher des Datenschutzes, die für die als negativ empfundene vollständige „Durchleuchtung“ der Menschen und ihres Verhaltens durch einen überwachenden Staat steht.

Eine kritische Vision in dieser Richtung hatte wohl George Orwell, als er den Roman 1984 schrieb. Dieser beschreibt ganz gut, wohin ein Überwachungsstaat führen kann, und dass Überwachung auch immer Macht und damit Missbrauch bedeuten kann.

Der Begriff kann auf verschiedene Gebiete angewandt werden, so wird zum Beispiel vom

  • Gläsernen Patienten
  • Gläsernen Bürger
  • Gläsernen Kunden

etc. geredet.

Wie Bruce Schneier schon schreibt, geht es nicht um die Frage ob Sicherheit oder Privatsphäre im Vordergrund stehen sollte. Es geht um die Frage: Freiheit oder Kontrolle?

Gefahren

Wirtschaft

Kunden

  • Heise: USA vs. Google 14.03.06
  • ZDNet: Datenschützer warnen vor Google Desktop 3 13.02.2006

Patienten

Am 17.03.2005 hat die GHP Document Service laut der ARD Sendung Monitor grob gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen. Daten aus dem Disease Managment Programm (DMP) für chronisch Kranke aus den Bundesländern Hessen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern seien demnach nach Vietnam geschickt worden. Dies ist insofern ein Datenschutzskandal, weil es in Vietnam keine Datenschutzbestimmungen gibt. Dies könnte nun dazu führen, dass die sensiblen Patientendaten an Pharma- und Versicherungskonzerne weiterverkauft werden.

Angestellter

1998 hat die American Management Association eine Statistik aufgestellt, nach der 40% der amerikanischen Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer überwachen. Das reicht von Überwachung der Emails, Telefonate und PC-Tätigkeit bis zur Videoüberwachung. Beispielsweise werden Videokameras in Supermärkten, die eigentlich dazu gedacht sind, Diebe fern zu halten, genutzt, um die Tätigkeiten der Angestellten zu überwachen.

2005 hat selbige eine Statistik über elektronische Überwachung aufgestellt. Danach beobachten 36% der Arbeitgeber

  • die Zeit des Angestellten, die er am PC verbracht hat, und
  • jede Taste, die gedrückt wurde.

50% lesen die Dateien und 55% lesen die eMails ihrer Angestellten. Mehr als 30% überwachen ihre Angestellten mit Videokameras (wegen Diebstahlgefahr etc.).

Staat

Telekommunikation

Das Europäische Parlament hat der massenhaften Speicherung von Telefon- und Internetdaten zugestimmt. Telefongesellschaften müssen in allen 25 Staaten der Europäischen Union künftig die Verbindungsdaten ihrer Telefon- und Internetkunden zwischen 6 und 24 Monate lang speichern. Die genaue Dauer soll national festgelegt werden. Bislang wurden die Verbindungsdaten in Deutschland nur für die Abrechnung gespeichert und nach maximal 3 Monaten gelöscht. Einige Datenschützer mahnen aber an, dass sich bei SMS Verbindungsdaten und Inhalt der Nachricht aus technischen Gründen sich nicht trennen lassen.

Der irische Justizminister Michael McDowell kündigte an, vor den Europäischen Gerichtshof ziehen zu wollen. Deutsche Kläger könnten mit einem Verstoß gegen das Fernmeldegeheimnis oder das Recht auf informationelle Selbstbestimmung argumentieren. Parlamentsberichterstatter Alvaro sieht außerdem eine Handhabe für kleinere Unternehmen: Sie könnten die Richtlinie als Verstoß gegen die Gewerbefreiheit darstellen, weil die Speicherung für sie erhebliche Mehrkosten bedeutete. Weitere Massnahmen waren zum Beispiel die Data Retention is no Solution Initiative.

  • Heise: Email nur noch gegen den Personalausweis? 15.11.2006
  • Netzpolitik: Erste Reaktionen zum Entwurf des Telemediengesetzes 28.10.2006
  • Heise: USA wollen Zugriff auf Telekommunikations-Verbindungssdaten der EU 10.04.2006
  • Heise: Bundesverfassungsgericht schwächt Datenschutz bei E-Mails und Handy-Daten 02.03.2006
  • Heise: Vorratsdatenspeicherung: "Schwerer Eingriff ins Privatleben der Europäer" 22.02.2006
  • Netzpolitik: Berichterstattung zur Vorratsdatenspeicherung 14.12.2005
  • Netzpolitik: Europarlament beschliesst Vorratsdatenspeicherung 14.12.2005
  • ARD: Wer will was speichern und warum? 13.12.2005
  • Die Zeit: Jeder unter Verdacht 1.12.2005
  • Heise: Kanadisches Gesetz zur Erleichterung der TK Überwachung auf dem Weg 16.11.2005

Videoüberwachung

Deutschland

http://fp.njh6.de/glaeserner_mensch/stadion02.jpg

In Frankfurts WM-Arena sieht die Polizei alles

Großbritannien

Im Bereich der Videoüberwachung ist Großbritannien bisher Spitzenreiter. Bis 1998 wurden dort 300.000 Kameras installiert und wöchentlich etwa 500 neue seit dem. Dabei verfügen die Kameras über Infrarotnachtsicht, automatische Verfolgung, Fernbedienung, Audiokanäle und Zoom. Viele Systeme können auf 100m die Aufschrift einer Zigarettenpackung lesen. Ein Großversuch zur automatischen Gesichtserkennung fand 1999 statt. (Quelle: [1])

Hierzu Tony Blair (brit. Premierminister): "Es ist wichtig zu erklären, daß wir kleinere Vergehen nicht länger tolerieren. Das Grundprinzip lautet: Ja es ist gerechtfertigt gegenüber den Obdachlosen auf der Straße ignorant zu sein."

  • Heise: Britische Polizei geht mit mobilen Fingerabdruck-Scannern auf Streife 22.11.2006

Überwachung

"Besonders bedenklich ist, dass mittels der gespeicherten Standort-Daten von Handys auch Bewegungsprofile von einzelnen Personen erstellt werden".

Jan Krissler vom CCC

  • Heise: Bundesregierung lehnt Evaluierung des Anti-Terror Gesetzes ab. 28.07.2006
  • Heise: Merkel plädiert für mehr Überwachung trotz hoher Sicherheit. 12.11.2006

Maut

  • [2] Datenschutzbeauftragter Schleswig-Holsteins über MAUT und andere Datenschutzfragen 31.08.2004
  • CCC: Keine Dauerbeschattung des Autobahnverkehrs! 28.11.2005
  • Datenschutz.de: Die LKW-Maut 2004

Fußball WM 2006

  • Telepolis: Fußballfans gegen RFID-Tickets und Fragebögen 21.12.2004
  • Der grosse Bruder: RFID Chips in Karten 22.01.2005
  • Telepolis: Live aus der George-Orwell-Arena 15.02.2005
  • Telepolis: Tickets für die WM2006 16.03.2005
  • Heise: Linksammlung zur Fragwürdigkeit der Massnahmen bei der Fussball WM 14.03.2006


elektronischer Pass

  • Heise: ePass und ePass-Leser 15.03.2006

Maßnahmen

Robinsonliste

Es gibt mehrere Robinsonlisten, die hauptsächlich dazu dienen Verbraucher vor unerwünschter Werbung zu schützen und von Verbraucherschutzvereinen und Verbänden gegründet wurden. Die Firmen in den Verbänden verpflichten sich Verbrauchern die sich kostenlos auf so einer Liste registrieren keine Werbung zu schicken. Unter anderem gibt es die folgenden:

Anonymität

  • Tor ist eine Möglichkeit, sich relativ anonym im Internet zu bewegen.

Widersprüche

TODO

Dateien

Quellen

Personal tools